GALERIEN IN WIEN: GOTT TRÄGT NIKES UND GAR NICHTS WIRD GUT
Ein Mann, der sich in einen Elefanten verwandelt und mit einem Leoparden Sex hat, ein Krokodil, das Martini schlürft und Auto fährt. Gott als Mitleid erregender Rapstar in Nike-Turnschuhen, eine vom Tode auferstandene Stripperin, ein masturbierender Löwe und jede Menge Nachtbars, Peepshows, Alkohol, Drogen und Gewalt. In ein regelrechtes Sodom und Gomorrha hat der Südafrikaner Cameron Platter Ernst Hilgers Contemporary-Galerie verwandelt. Themen wie Sex, Rache, Großmannssucht und Kriminalität verhandelt der 1978 in Johannesburg geborene Künstler in Zeichnungen, Skulpturen und Animationsfilmen.
Sozialer und politischer Wandel, wirtschaftlicher Aufschwung und eine durch die Verfassung garantierte Vielfalt der Kulturen haben Südafrika seit dem Ende der Apartheid ein neues Image beschert. Dennoch ist der Staat auch heute noch von den nicht gelösten Problemen geprägt: der massenhaften Arbeitslosigkeit, den verheerenden Auswirkungen von AIDS, den eklatanten sozialen Ungleichheiten und der damit verbundenen Kriminalität. Platter agiert voll und ganz in diesem Bewusstsein, wenn er die grotesken Protagonisten seiner ziemlich schrillen Bildwelten in den Kampf zwischen Gut und Böse schickt. Als Künstler aus Südafrika kann man wohl auch gar nicht anders als politisch arbeiten. Wenngleich Platter dies comicartig in blendend schrillen Farben tut und mit einem Figurenrepertoire auffährt, das mehr an Scherzhaftes als an Sozialkritisches denken lässt. Humor als Mittel der Kompensation also?
Enorm beeindruckend ist der materialtechnische und zeitliche Aufwand, den der Künstler für seine erste Solopräsentation in Österreich betrieben hat. Insgesamt 16 Monate lang hat er an den Exponaten für diese Ausstellung gearbeitet. An den großformatigen und akribischen Buntstiftzeichnungen, in denen sich farbgesättigte Großstadtarchitekturen aneinanderdrängeln (7000€). An den drei Animationsfilmen, die im Untergeschoß der Galerie cineastisch projiziert sind und jeweils durch einen pulsierenden Sound faszinieren (15.000€).
Vor allem aber an den zahlreichen skulpturalen Versatzstücken aus den Filmen und Zeichnungen, an dem Krokodil, dem Löwen, dem Elefanten bis hin zu den Nike-Schuhen (2000–20.000€). Allesamt aus Jacarandaholz gefertigt und anschließend bunt bemalt. So greift Cameron Platter schließlich auf die traditionelle Holzschnitzkunst seiner Heimat zurück, allerdings ziemlich subversiv.
Manisha Jothady
Extract from: Jothady,Manisha. “Galerien in Wien: Gott trägt Nikes und gar nichts wird gut - Ein Südafrikanisches Sodom und Gomorrha: Cameron Platter in der Galerie Hilger Contemporary.” Die Press, Vienna, Austria, 13th February, 2008

